Solarpflicht in der Schweiz: Was Eigentümer wissen müssen
In der Schweiz wird die Pflicht, Gebäude mit Solaranlagen auszurüsten, schrittweise verschärft. Seit 2023 verlangt das Bundesrecht bei Neubauten mit einer anrechenbaren Gebäudefläche von mehr als 300 m² eine Solaranlage auf dem Dach oder an der Fassade (Art. 45a Energiegesetz). Im August 2025 hat die Konferenz Kantonaler Energiedirektoren zudem die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2025) verabschiedet: Jeder Kanton übernimmt sie in seinem eigenen Tempo in sein Recht, die Umsetzung ist zwischen 2025 und 2030 vorgesehen.
Wer ist betroffen?
Die Pflicht betrifft in erster Linie Neubauten. Die MuKEn 2025 sehen zudem eine Pflicht bei Dachsanierungen vor (im Mustertext ab 50 m² betroffener Dacheindeckung und bei geeigneten Dächern), sie gilt in einem Kanton aber erst, wenn dieser sie in sein Recht übernommen hat.
Einige Kantone gehen über das bundesrechtliche Minimum hinaus, und ihre Zeitpläne für die Übernahme sind unterschiedlich. Die genaue Regel hängt somit vom Kanton ab, in dem sich das Gebäude befindet: Vor jedem Projekt lohnt es sich, die geltenden Vorschriften bei der kantonalen Energiefachstelle zu prüfen.
Und bei Stockwerkeigentum (PPE)?
Betrifft die Solaranlage die gemeinschaftlichen Teile eines Gebäudes – typischerweise das Dach –, entscheidet die Eigentümerversammlung. Welche Mehrheit nötig ist, hängt von der Art der Arbeiten ab (notwendige, nützliche oder luxuriöse bauliche Massnahmen im Sinne des ZGB) sowie vom Reglement der Stockwerkeigentümergemeinschaft.
Genau hier zeigt sich in der Praxis oft die Schwierigkeit: Eine Versammlung muss über eine mögliche Pflicht abstimmen, ohne immer über eine objektive Einschätzung des Dachzustands, des tatsächlichen Solarpotenzials oder der zu erwartenden Kosten zu verfügen.
Wie die Machbarkeit vorab geprüft werden kann
Vor der Installation, oder wenn eine Dachsanierung die Solarpflicht auslösen kann, ermöglicht eine erste Luftaufnahme, den Zustand der Dachdeckung, ihre Ausrichtung, mögliche Verschattung und sichtbare Hindernisse (Kamine, Dachfenster, Aufbauten) zu prüfen, die das tatsächliche Solarpotenzial des Gebäudes beeinflussen.
Genau das ermöglicht eine Dachinspektion per Drohne: eine schnelle und dokumentierte Beobachtung des Daches — sowohl nützlich, um der mit einer Sanierung verbundenen Solarpflicht zuvorzukommen, als auch um eine Versammlungsentscheidung auf einer faktischen Grundlage statt auf groben Schätzungen vorzubereiten.
Für Stockwerkeigentümergemeinschaften, die ihrer Versammlung ein vollständiges Dossier vorlegen müssen, kann diese Diagnose auch Teil eines umfassenderen Entscheidungsdossiers sein, das Dachzustand, Solarpotenzial und Kostenschätzung vereint — siehe unseren Artikel zum PPE-Dossier.
Zusammenfassung
Die Solarpflicht betrifft in erster Linie Neubauten, grössere Dachsanierungen können aber je nach Kanton und dessen Zeitplan zur Übernahme der MuKEn 2025 ebenfalls betroffen sein. Für Stockwerkeigentümergemeinschaften vermeidet eine objektive Beurteilung des Daches vor dem Versammlungsbeschluss eine Abstimmung in Unsicherheit.